Schaumwein hat einen besonderen Ruf.
Entweder gilt er als reiner Festtagswein – oder er wird gedanklich in eine von drei Schubladen gesteckt: Champagne, Prosecco oder einfach ,Blaschen'.
In Wirklichkeit ist Schaumwein eine der vielfältigsten – und am meisten missverstandenen – Weinkategorien überhaupt. Er kann knochentrocken, fruchtig oder süss sein. Straff und präzise oder weich und rund. Manche Flaschen entstehen langsam, mit viel Geduld und bewusstem Handwerk. Andere werden bewusst frisch, unkompliziert und zum schnellen Öffnen gemacht.
Und Schaumwein passt zu weit mehr Momenten, als man oft denkt.
Eine Kategorie. Sehr unterschiedliche Weine.
Zeit also, die Vielfalt von Schaumwein genauer anzuschauen.
Hier konzentrieren wir uns auf Stile und Herstellungsarten – nicht auf Rebsorten.
Was ist Schaumwein?
Ganz einfach gesagt:
Schaumwein ist Wein mit Kohlensäure.
Diese Kohlensäure entsteht durch Kohlendioxid, das während der Gärung im Wein eingeschlossen wird. Entscheidend ist wie das passiert. Manche Schaumweine durchlaufen eine langsame zweite Gärung und reifen lange. Andere werden schneller hergestellt, um Frische und Frucht zu bewahren.
Die Perlen mögen im Glas ähnlich aussehen – die Weine dahinter sind es nicht.

Ist Champagne das Gleiche wie Schaumwein?
Nein.
Champagne ist eine Art von Schaumwein. Aber nur Wein, der aus der Champagne in Frankreich stammt und nach strengen Regeln hergestellt wird, darf auch Champagne heissen.
Jede Champagne ist ein Schaumwein.
Aber nicht jeder Schaumwein ist eine Champagne.
Der Name sagt etwas über Herkunft und Herstellungsweise aus – nicht nur darüber, dass der Wein perlt.
Ist Prosecco ein Schaumwein?
Ja. Prosecco ist ein Schaumwein aus Italien.
Die meisten Proseccos werden im Tankverfahren hergestellt. Dabei liegt der Fokus auf fruchtigen und floralen Aromen – nicht auf gereiften, herzhaften Noten. Deshalb wirkt Prosecco oft frisch, fruchtbetont und zugänglich.
Wichtig zu wissen:
Die Qualität variiert stark. Prosecco ist ein Stil – keine Qualitätsgarantie.
Cava und Sekt: Zwei weitere Schaumweine, die man kennen sollte
Cava ist Spaniens klassischer Schaumwein nach traditioneller Methode. Wie bei Champagne findet die zweite Gärung in der Flasche statt. Die Unterschiede liegen weniger in der Methode, sondern in Rebsorten, Klima und regionalem Charakter.
Sekt ist der deutschsprachige Begriff für Schaumwein und wird vor allem in Deutschland und Österreich verwendet. Er umfasst ein breites Spektrum – von einfachen Alltagsweinen bis hin zu sorgfältig hergestellten Spitzenweinen.
Der Begriff sagt etwas über die Herkunftssprache aus, nicht über Qualität oder Herstellungsart.
Sowohl Cava als auch Sekt stehen oft ausserhalb des Champagne-Rampenlichts. Dabei gilt: Beide können in sehr hoher Qualität entstehen – oft für etwa die Hälfte des Champagne-Preises.
Welche Weine zählen zu Schaumwein?
Schaumwein ist eine breite Kategorie. Sie umfasst Weine aus vielen Regionen, aus unterschiedlichen Rebsorten und mit ganz verschiedenen Herstellungsansätzen.
Dazu gehören unter anderem:
- Champagne
- Prosecco
- Crémant
- Cava
- Sekt
- Cap Classique
- Pet-Nat
- sowie viele kleinere, regionale Stile
Was all diese Weine verbindet, ist die Kohlensäure.
Wie sie entsteht, unterscheidet sich jedoch deutlich.
Die sechs wichtigsten Methoden zur Herstellung von Schaumwein
Wer Schaumwein verstehen möchte, sollte die Herstellungsart kennen.
Es gibt sechs zentrale Methoden. Einige arbeiten mit zwei Gärungen, andere nur mit einer.
Wir erklären sie in diesen zwei Gruppen.
Methoden mit zwei Gärungen
Alle diese Methoden beginnen gleich:
Zuerst wird ein stiller Grundwein hergestellt.
Die Perlage entsteht durch eine zweite Gärung, bei der das Kohlendioxid eingeschlossen wird.

Traditionelle Methode
Gärung 1: Stiller Grundwein
Gärung 2: In der Flasche
Das ist die aufwendigste Methode. Die zweite Gärung findet in jeder einzelnen Flasche statt, gefolgt von einer Reifezeit auf der Hefe. Das führt oft zu feineren Perlen und komplexeren Aromen wie Brot, Toast oder Brioche.
Auf dem Etikett steht häufig méthode traditionnelle.
Verwendet für Champagne, Cava, Crémant, Franciacorta und Cap Classique.

Transfermethode
Gärung 1: Stiller Grundwein
Gärung 2: In der Flasche
Der Anfang ist identisch mit der traditionellen Methode: Die zweite Gärung passiert in der Flasche. Der Unterschied kommt danach. Statt jede Flasche einzeln fertigzustellen, wird der Wein in einen Drucktank geleert, filtriert und erneut abgefüllt.
So entfallen das Rütteln und Degorgieren jeder einzelnen Flasche. Das macht die Produktion günstiger und effizienter – bei gleichzeitigem Erhalt eines Teils des Flaschengärungscharakters.
Auf dem Etikett steht oft «Flaschengärung».
Tankmethode
Gärung 1: Stiller Grundwein
Gärung 2: Im Drucktank
Hier findet die zweite Gärung in grossen Edelstahltanks statt, nicht in der Flasche. Das ist schneller und kostengünstiger und bewahrt frische, primäre Fruchtaromen.
Diese Weine sind meist fruchtbetont, ohne Brot- oder Hefenoten.
Typisch für Prosecco, Lambrusco und die meisten Sekte.
Asti-Methode
Gärung 1: Beginnt im Tank
Gärung 2: Wird im Tank erneut gestartet (nicht in der Flasche)
Diese Methode verzichtet auf einen fertig vergorenen Grundwein. Die Gärung beginnt im Tank und wird früh durch Kühlung und Filtration gestoppt. Dadurch bleiben natürliche Restsüsse und ein niedriger Alkoholgehalt erhalten. Die Gärung kann später kurz wieder gestartet werden, um Kohlensäure zu erzeugen.
Ein technisch kontrollierter Prozess, meist für aromatische, leicht perlende Weine – oft in grösserem Stil.
Typisches Beispiel: Moscato d’Asti.
Methoden mit nur einer Gärung
Diese Methoden benötigen keine separate zweite Gärung.
Ancestrale Methode
Der gärende Traubenmost wird vor Ende der Gärung in die Flasche gefüllt. Das entstehende Kohlendioxid bleibt in der Flasche eingeschlossen. Es gibt keine zweite Gärung.
Viele dieser Weine werden nicht degorgiert oder filtriert, weshalb sie oft trüb wirken. Bekannt als Pét-Nat.
Karbonisierung
Hier wird Kohlensäure direkt dem Wein zugesetzt – ähnlich wie bei Softdrinks.
Es findet keine zweite Gärung statt.
Diese Methode wird selten für qualitätsorientierte Weine verwendet und erzeugt meist grössere, weniger anhaltende Blasen.
Warum das alles wichtig ist
Jede Herstellungsart erzeugt einen völlig anderen Schaumweinstil.
Von cremig und komplex bis frisch und fruchtbetont.
Von präzise bis bewusst wild.
Wer die Methode kennt, versteht Etikett und Geschmack deutlich besser. Und die Wahl eines Schaumweins wird viel weniger zum Glücksspiel.
Demnächst: Teil 2 – Rebsorten und Süssegrade
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